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Fechten

10.08.2016 - Zwischen Wehmut und Angriffslust

Olympia-Bronze von 2004 in der Hand: Jörg Fiedler zeigt seinen hoffnungsvollen Schützlingen Artur Fischer, Niclas Helbig, Tom Thiele, Jonas Fischer und Eric Morgenstern (v.l.) die Medaille der Spiele in Athen.

Olympia-Bronze von 2004 in der Hand: Jörg Fiedler zeigt seinen hoffnungsvollen Schützlingen Artur Fischer, Niclas Helbig, Tom Thiele, Jonas Fischer und Eric Morgenstern (v.l.) die Medaille der Spiele in Athen.
(© Foto: Kerstin Förster)

FCL-Fechter Jörg Fiedler verpasst seine vierten Olympischen Spiele und kämpft als Trainer um den Leipziger Degen-Stützpunkt

LEIPZIG. Das sportliche Wasser könnensie ihrem Trainer noch nicht reichen, doch immerhin nähern sich die jungen Degen-Herren aus dem Bundesstützpunkt Leipzig langsam dem Gardemaß von Weltklasse-Fechter Jörg Fiedler (1,93 m). Der 38-Jährige begrüßte gerade in der Arena seine hoffnungsvollen Talente zurück aus den Sommerferien, gab Neuerungen sowie Aufgaben bekannt und schickte sie sogleich zum munteren Konditionsläufchen ins Sportforum-Gelände.

„Fiedel“ hatte quasi als Motivationsschub seine olympische Bronze-Plakette von 2004 mitgebracht. „Theoretisch könnt ihr 2024 am Start sein“, sagte der Coach in die heitere Runde und erhielt praktisch die Zustimmung seiner Athleten. „Sie sind der beste Trainer von allen“, schmeichelte Niclas Helbig (15), der in Bautzen seine Musketier-Karriere begann, dann in Bischofswerda auf der Planche stand, zum Stützpunkt nach Leipzig wechselte und seit 1. August zum hiesigen Fechtclub  gehört. Diese Vereinszugehörigkeit kann, muss aber nicht zwangsläufig sein, betont Jörg Fiedler.

Wir müssen die Besten zusammenführen, dort, wo die besten Rahmenbedingungen sind. Das beginnt im Nachwuchsbereich. Verstärkt müssen die Sportschulen genutzt werden, um mehrmaliges Vormittagstraining zu ermöglichen. Auch die Unterstützung bei der Ausbildung ist wichtig. Wir brauchen eine intelligente Zentralisierung, um starke Trainingsgruppen zu entwickeln“, fordert Fiedler und hofft sie mit der angekündigten Strukturreform des olympischen Spitzensports zu bekommen. „Es gibt viele Baustellen. Das Grundproblem ist, dass wir den individuellen Ehrgeiz von Sportlern und Trainern nicht gebündelt kriegen.“ Der Ist-Stand ist die Krise, Rio das Sinnbild dafür.

Lediglich vier Klingenkünstler sind vertreten, kein Team, das für die einst stolze Grande Nation ins Gefecht geht. Degenspezialist Fiedler selbst verpasste seine vierten Spiele. „Ich wäre gern mitgefahren“, bekennt der Doppel-Europameister und schaut mit Respekt zum Florett-Kollegen Peter Joppich (33/SC Koblenz), der seine vierte Teilnahme erkämpfte. Der vierfache Weltmeister trat als große Medaillenhoffnung im Miniteam an. Doch im Achtelfinale war nach einem 13:15 gegen den Italiener Giorgio Avola Endstation. „Schade, ich habe den Kampf gesehen. Aber es ist mühsam, von außen etwas hineinzuinterpretieren.“

Die TV-Bilder haben auch  Fiedlers Jungs gesehen – und vor allem in Erinnerung behalten, dass mitten in Joppichs Gefecht dessen Gegner das Handy aus der Hose fiel. „Krass.“ Ähnliche Aktionen lassen die deutschen A-Jugendmeister und Einzel-Vize Artur Fischer lieber sein. Sie wollen mit ihrem Coach in einem starken Stützpunkt arbeiten. Leipzig bietet mit den  Partnern Olympiastützpunkt, Stadt und Land, IAT, Sportgymnasium und Uni beste Bedingungen. Angedacht ist eine Zusammenarbeit mit Berlin (Florett). „Wir müssen den Mut haben, neue Wege zu gehen“, verkörpert Jörg Fiedler enormeAngriffslust, auf 1,93 Meter verteilt. Und: Leipzig hat erneut die internationale Fecht-Elite zu Gast, bei den Weltmeisterschaften im Juli 2017.

Kerstin Förster

Leipziger Volkszeitung, 10.08.2016

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